Selbst erfahrene Züchter lernen noch dazu. Zum Beispiel, wie nützlich ein Refraktometer sein kann, wenn es darum geht, ein Fohlen in den ersten Stunden seines Lebens optimal zu versorgen.

In ihrem Vortrag über die Entwicklung eines Fohlens von der befruchteten Eizelle bis zur Geburt und den ersten Tagen danach zeigte Dr. Ietje Leendertse vor allem eines: Vorbeugung ist das A und O für ein gesundens Fohlen. Und mit dem Refraktometer steht dem Züchter ein preiswertes Messgerät zu Verfügung, das die Qualität der Biestmilch der Stute sofort anzeigt. Schließlich liefert sie die Abwehrkräfte, die das Neugeborene braucht, um den Start ins Leben möglichst unbeschadet zu überstehen. Der Tipp der international anerkannten Expertin, die mit allen großen Gestüten in Europa und Amerika zusammenarbeitet: Jeder Züchter sollte von einer gesunden Stute Biestmilch eingefroren zur Verfügung haben. Im Notfall müsse sie dem Fohlen, dessen Mutter nicht genügend Abwehrkräfte in der Milch zur Verfügung stellen könne, mit der Flasche oder über eine Nasen-Schlund-Sonde zugeführt werden. Vor allem bei Stuten, die schon lange vor der Geburt „die Milch laufen ließen“ sei davon auszugehen, dass der Immunglobulinwert (Antikörperwert), der in der Regeln zwischen 25 und 30 liegen sollte, zu niedrig ist. Das (vorher geeichte) Refraktometer zeigt diesen  Wert innerhalb von Minuten an.
„Ich mag keine kranken Pferde“, sagte Dr. Ietje Leendertse. Gerade beim  Fohlen müsse man schnell sei, habe man „keine Zeit zu warten“. Innerhalb von Stunden könne der Zustand von gesund auf lebensbedrohlich krank kippen. Oft sei die schnelle Fahrt in die Klinik die einzige Möglichkeit, zu retten, was noch zu retten ist. Deutliche Warnzeichen seien anhaltender Durchfall, Fieber oder auch Untertemperatur, plötzliche Apathie, gelblich-weiße Schleimhäute, Gewichtsabnahme.
Dr. Leendertse: „Der Weg zu einem gesunden Pferd ist lang und geht nur über eine gesunde Stute und eine komplikationslose Trächtigkeit.“  Neben guten Haltungsbedingungen und gutem, der Trächtigkeit angepasstem  Futter sei vor allem dem Thema Parasiten große Aufmerksamkeit zu widmen.  Leider wisse man immer noch zu wenig über die Entwurmung während der Trächtigkeit, bedauerte die Expertin. Zudem hätten die Resistenzen gegenüber den marktüblichen Mitteln zugenommen. Weidepflege und Stallhygiene bekämen deshalb eine große Bedeutung.
Aus ihrer Erfahrung rät Dr. Leendertse von einer Entwurmung innerhalb der Frühträchtigkeit ab, weil in den ersten drei Monaten die Abortgefahr am größten ist.  Die Praxis, die Stute sechs Wochen vor dem Geburtstermin zu entwurmen, ist ihrer Meinung nach auch zu unsicher, da der Termin selten genau vorzubestimmen sei. Sie empfiehlt eine Entwurmung der Stute direkt am Tag der Geburt, die des Fohlens etwa ab dem 6. Tag. In welchem Rhythmus und wie oft entwurmt werden müsse , sollte nicht nach einem festgelegten Schema, sondern nach dem Ergebnis vorheriger Kotproben erfolgen. Im Herbst sei auf jeden Fall eine Bandwurmprophylaxe nötig.
Die Hauptursache für Komplikationen während der Trächtigkeit und bei der Aufzucht seien Parasiten. Fohlen nehmen die Larven schon durch die Muttermilch auf. Die wenigsten machten sich aber auch Gedanken über den Zusammenhang zwischen Medikation und Gewicht des Pferdes, beziehungsweise der Fohlen. Bei neugeborenen Fohlen biete die Nachgeburt einen guten Anhaltspunkt. Dr. Leendertse rät den Züchtern, diese nicht nur auf Vollständigkeit prüfen, sondern auch zu wiegen. Sie mache etwa 11 Prozent des Fohlengewichtes aus.
Die erfahrene Tierärztin, die „alles schon erlebt hat, was schiefgehen kann“ war auf Einladung unseres  Pferdezuchtvereins in das Casino des Gestüts Letter Berg in Coesfeld gekommen und ging während ihres lockeren  Vortrags auch immer wieder auf Fragen aus dem Publikum ein. Im Herbst wird sie wieder kommen. Dann ist ihr Thema die gesunde Aufzucht von Fohlen. Der Termin wird noch bekannt gegeben.